Verfahrenswahl
Kanalsanierungsverfahren im Vergleich
Die Verfahren der Kanalsanierung ordnen sich in drei Gruppen: Reparatur einer örtlich begrenzten Stelle, Renovierung der vorhandenen Leitung von innen und Erneuerung, bei der ein neues Rohr an die Stelle des alten tritt. Innerhalb dieser Gruppen entscheidet der Befund, nicht der Wunsch.
Diese Seite stellt die vier Verfahren gegeneinander, die auf privaten Grundstücken in Betracht kommen, und nennt zu jedem die Bedingung, unter der es ausscheidet. Wo mehrere Verfahren möglich sind, gehört die Begründung der Empfehlung in das Angebot.
- Grabenlose Sanierung
- Sammelbegriff für Verfahren, bei denen eine Abwasserleitung instand gesetzt oder ersetzt wird, ohne sie über ihre Länge freizulegen — gearbeitet wird von vorhandenen oder eigens hergestellten Zugangsstellen aus.
- Grabenlos heißt nicht grabungsfrei: Auch diese Verfahren brauchen Zugänge, und beim Berstlining zusätzlich Start- und Zielgruben. Der Unterschied liegt darin, dass nicht die ganze Trasse geöffnet wird — das schont Oberflächen, Bäume und befestigte Flächen und verlagert den Aufwand von der Erdarbeit in die Technik.
Die vier Verfahren mit ihren Ausschlussgründen
Die dritte Spalte ist die wichtigere: Ein Verfahren wählt man nicht danach, wofür es passt, sondern danach, was es ausschließt. Die erste Spalte führt zur ausführlichen Seite des Verfahrens.
| Verfahren | Voraussetzung | Scheidet aus, wenn |
|---|---|---|
| Kurzliner (Reparatur) | Eine örtlich begrenzte Schadstelle in einer Leitung, die sonst tragfähig und formhaltig ist | Die Schäden über die Länge verteilt sind oder die Rohrwand insgesamt nicht mehr trägt |
| Schlauchliner (Renovierung) | Durchgängig befahrbare Leitung, die ihre Form hält; Abzweige sind bekannt und wieder zu öffnen | Einsturz, fehlende Rohrwand, starke Verformung, Versatz in der Achse, enge Bögen oder ein Wassersack |
| Berstlining (Erneuerung) | Ein verdrängbarer Rohrwerkstoff, ausreichend Platz im Erdreich, Start- und Zielgrube herstellbar | Fremdleitungen, Kabel oder Bauwerke im Verdrängungsbereich liegen oder die Trasse Bögen aufweist |
| Offene Bauweise (Erneuerung) | Die Trasse ist erreichbar und darf geöffnet werden | Praktisch nie — sie ist das Verfahren, das übrig bleibt, wenn die anderen ausscheiden |
Welche Zeile für Ihre Leitung gilt, ergibt sich aus der Kamerabefahrung. Eine Onlineeingabe kann diese Entscheidung nicht vorwegnehmen.
Reparatur, Renovierung, Erneuerung — warum die Gruppen zählen
Die drei Gruppen sind keine Wortklauberei, sondern beschreiben, was mit dem alten Rohr geschieht. Bei der Reparatur bleibt es liegen und bekommt an einer Stelle einen Flicken. Bei der Renovierung bleibt es liegen und übernimmt nur noch die Rolle einer Form, in die ein neues Rohr eingebaut wird. Bei der Erneuerung verliert es seine Funktion vollständig.
Daran hängt, was Sie nach der Maßnahme haben. Ein reparierter Schaden ist ein reparierter Schaden — die übrige Leitung ist so alt wie vorher. Eine renovierte Haltung ist über ihre ganze Länge dicht, hat aber einen geringfügig kleineren Querschnitt und liegt in derselben Lage und mit demselben Gefälle wie zuvor. Eine erneuerte Leitung kann anders liegen, ein anderes Gefälle und einen anderen Querschnitt haben.
Dieser letzte Punkt entscheidet den Grenzfall: Wenn das Problem nicht die Dichtheit ist, sondern die Lage — ein Unterbogen, in dem Wasser stehen bleibt, oder ein zu geringes Gefälle —, dann hilft keine Renovierung. Sie macht die Leitung dicht und lässt den Fehler, der sie zusetzen lässt, unverändert.
Was vor der Verfahrenswahl beantwortet sein muss
Diese sieben Angaben stehen im Befundbericht. Fehlt eine davon, ist die Verfahrensempfehlung nicht nachvollziehbar:
- Welcher Abschnitt betroffen ist — Anfangs- und Endpunkt der Haltung, mit Länge.
- Welcher Rohrwerkstoff verbaut ist und welcher Durchmesser vorliegt.
- Welche Schäden an welcher Meterangabe liegen und wie sie benannt sind.
- Ob die Leitung über die ganze Länge durchgängig befahren werden konnte.
- Ob Verformung, Versatz oder ein Unterbogen mit stehendem Wasser vorliegt.
- Wo Abzweige und Anschlüsse sitzen und ob sie einragen.
- Über welche Zugangsstellen gearbeitet werden kann.
Wenn mehrere Verfahren möglich sind
Es kommt vor, dass nicht genau ein Verfahren passt, sondern zwei zur Wahl stehen. Dann verschiebt sich die Frage von der Technik zur Abwägung: Was kostet die Maßnahme, wie lange ist die Leitung außer Betrieb, was passiert mit der Oberfläche darüber, und wie lange soll das Ergebnis halten.
Für diesen Fall gibt es eine einfache Anforderung an das Angebot: Es soll beide möglichen Verfahren benennen, beide bepreisen und begründen, warum das eine empfohlen wird. Ein Angebot, das nur ein Verfahren enthält, ohne das andere zu erwähnen, macht die Abwägung für Sie — ohne Sie.
Das gilt besonders an der Grenze zwischen Reparatur und Renovierung. Mehrere einzelne Reparaturstellen in einer Haltung können in der Summe teurer werden als das Auskleiden der ganzen Haltung, und sie lassen den Rest der Leitung im alten Zustand. Wo diese Grenze liegt, hängt an der Zahl und der Lage der Schadstellen — sie ergibt sich aus dem Befund und nicht aus einer Faustregel.
Häufige Fragen
Welches Kanalsanierungsverfahren ist das richtige?
Das geeignete Verfahren ergibt sich aus dem Befund der Kamerabefahrung: aus Zahl und Lage der Schäden, aus Zustand und Form der Rohrwand, aus Werkstoff, Durchmesser und Zugänglichkeit. Danach richtet sich, ob eine Stelle repariert, die Haltung von innen renoviert oder das Rohr erneuert wird. Wo mehrere Verfahren möglich sind, gehört die Begründung der Empfehlung ins Angebot.
Was ist der Unterschied zwischen Renovierung und Erneuerung?
Bei der Renovierung bleibt das alte Rohr im Boden und dient als Form für eine neue Innenschicht; Lage und Gefälle bleiben unverändert, der Querschnitt wird geringfügig kleiner. Bei der Erneuerung verliert das alte Rohr seine Funktion und wird durch ein neues ersetzt — dabei lassen sich Lage, Gefälle und Durchmesser ändern. Die Wahl entscheidet, ob ein Lagefehler behoben werden kann.
Wann geht grabenlose Sanierung nicht mehr?
Grabenlose Verfahren scheiden aus, wenn die Leitung eingestürzt ist, ein Stück der Rohrwand fehlt, das Rohr stark verformt oder in der Achse versetzt ist. Dazu kommen Ausschlussgründe aus der Geometrie: enge Bögen, einragende Anschlussstücke, ein Unterbogen mit stehendem Wasser. Und es gibt den Ausschlussgrund, der nichts mit dem Rohr zu tun hat — es führt kein Zugang zur Leitung.
Hält eine Sanierung von innen genauso lange wie ein neues Rohr?
Zur Lebensdauer eines eingebauten Liners machen die Systemhersteller Angaben, die an Bedingungen geknüpft sind: an fachgerechten Einbau, an den Rohrwerkstoff darunter, an die Belastung und an die Vorbereitung der Rohrwand. Belastbar wird eine solche Angabe nur zusammen mit dem konkreten System und der Abschlussprüfung. Lassen Sie sich das eingesetzte System und die Herstellerangaben schriftlich geben.