Erneuerung im Verdrängungsverfahren
Berstlining: die alte Leitung verdrängen, die neue einziehen
Beim Berstlining wird die alte Leitung von innen zerstört und ins umgebende Erdreich verdrängt; unmittelbar dahinter zieht die neue Rohrleitung in den entstandenen Hohlraum ein. Aufgegraben wird nur an zwei Stellen — an der Start- und an der Zielgrube.
Das Verfahren gehört zur Gruppe der Erneuerung: Die alte Leitung verliert ihre Funktion vollständig. Anders als bei der Auskleidung von innen lässt sich dabei der Querschnitt vergrößern, und die neue Leitung ist ein durchgehendes Rohr ohne die Muffen der alten.
- Berstlining
- Ein grabenloses Erneuerungsverfahren, bei dem ein Berstkörper durch die alte Leitung gezogen oder gedrückt wird, deren Wand aufbricht und die Bruchstücke in das umgebende Erdreich verdrängt, während die neue Rohrleitung direkt nachgeführt wird.
- Die neue Leitung liegt danach in derselben Trasse wie die alte. Gearbeitet wird von einer Startgrube zu einer Zielgrube; alles dazwischen bleibt geschlossen. Dadurch bleiben Oberflächen, Bäume und befestigte Flächen zwischen den Gruben unberührt — der Grund, aus dem das Verfahren auf bebauten Grundstücken überhaupt in Betracht kommt.
Der Ablauf in fünf Schritten
Die Vorarbeiten sind der aufwendigere Teil. Der Durchzug selbst ist der kurze Abschnitt des Auftrags.
1. Trasse erkunden
Befahrung der alten Leitung, dazu die Lage aller Leitungen, Kabel und Bauwerke im Umfeld der Trasse. Ohne diese Auskunft wird nicht verdrängt — der Berstkörper drückt das Erdreich zur Seite und damit gegen alles, was dort liegt.
2. Gruben herstellen
Start- und Zielgrube werden ausgehoben und gesichert. Ihre Lage richtet sich nach der Trasse, nach dem Platz auf dem Grundstück und nach den Anschlüssen, die freigelegt werden müssen.
3. Anschlüsse freilegen
Abzweige, die in die alte Leitung münden, werden aufgegraben und getrennt. Sie können nicht von innen wieder geöffnet werden wie bei einem Liner — jeder Anschluss ist eine eigene kleine Baustelle.
4. Bersten und Einziehen
Der Berstkörper wird durch die alte Leitung geführt, bricht sie auf und verdrängt die Scherben. Die neue Rohrleitung folgt unmittelbar und liegt am Ende in der alten Trasse.
5. Anschließen, prüfen, verfüllen
Die freigelegten Abzweige werden an die neue Leitung angebunden, das Ergebnis befahren und — wenn vereinbart — auf Dichtheit geprüft. Danach werden Gruben verfüllt, verdichtet und die Oberflächen wiederhergestellt.
Was das Verfahren voraussetzt
Fehlt eine dieser Voraussetzungen, ist Berstlining nicht die richtige Wahl — unabhängig davon, wie attraktiv der fehlende Graben klingt:
- Ein Rohrwerkstoff, der sich brechen und verdrängen lässt statt sich zu verformen.
- Ausreichend verdrängbares Erdreich rings um die Leitung.
- Keine Fremdleitungen, Kabel, Schächte oder Fundamente im Verdrängungsbereich.
- Eine Trasse ohne Bögen, die das System nicht durchfahren kann.
- Platz für Start- und Zielgrube samt Zufahrt für die Technik.
- Zugängliche Abzweige, die freigelegt und neu angebunden werden können.
Berstlining gegen die beiden Nachbarverfahren
Die drei Verfahren, zwischen denen bei einer stark geschädigten Leitung abgewogen wird — an den Punkten, an denen sie sich unterscheiden.
| Merkmal | Schlauchliner | Berstlining | Offene Bauweise |
|---|---|---|---|
| Was mit dem alten Rohr geschieht | Bleibt liegen und dient als Form | Wird zerstört und ins Erdreich verdrängt | Wird ausgebaut oder aufgegeben |
| Querschnitt danach | Geringfügig kleiner | Gleich oder größer | Frei wählbar |
| Lage und Gefälle | Bleiben unverändert | Bleiben weitgehend in der alten Trasse | Frei wählbar |
| Geöffnete Flächen | Zugangsstellen | Start- und Zielgrube, dazu jeder Anschluss | Die ganze Trasse |
| Umgang mit Abzweigen | Von innen wieder öffnen | Freilegen und neu anbinden | Freilegen und neu anbinden |
Was ins Angebot gehört
Beim Berstlining verschieben sich die Kostenblöcke gegenüber einem Liner: Der Meterpreis der eigentlichen Erneuerung ist der eine Teil, die Gruben und die Anschlüsse sind der andere — und der zweite ist derjenige, der zwei Angebote auseinandertreibt.
Konkret gehören folgende Positionen einzeln ausgewiesen: Herstellen und Sichern der Gruben, Freilegen jedes einzelnen Anschlusses, das Bersten und Einziehen je Meter, das Neuanbinden der Anschlüsse, Verfüllen und Verdichten, Wiederherstellen der Oberflächen und — falls anfallend — die Abfuhr von Aushub.
Dazu kommt eine Angabe, die keine Position ist, aber ins Angebot gehört: aus welchem Werkstoff die neue Leitung besteht und in welchem Durchmesser sie eingezogen wird. Beides bestimmt, was Sie danach haben.
Häufige Fragen
Was ist Berstlining?
Berstlining ist ein grabenloses Erneuerungsverfahren: Ein Berstkörper zerstört die alte Leitung von innen, verdrängt die Bruchstücke ins Erdreich, und die neue Rohrleitung wird unmittelbar nachgezogen. Aufgegraben wird nur an Start- und Zielgrube sowie an den Anschlüssen. Die neue Leitung liegt danach in der alten Trasse.
Wann kommt Berstlining infrage?
Berstlining kommt infrage, wenn die alte Leitung so stark geschädigt ist, dass eine Auskleidung von innen nicht mehr trägt, ein durchgehender Graben aber vermieden werden soll. Voraussetzung sind ein verdrängbarer Rohrwerkstoff, verdrängbares Erdreich, eine Trasse ohne zu enge Bögen und ausreichend Abstand zu Fremdleitungen und Bauwerken.
Kann die Leitung beim Berstlining größer werden?
Der Querschnitt kann beim Berstlining vergrößert werden, weil das alte Rohr nicht als Form dient, sondern verdrängt wird. Wie weit das geht, hängt am Erdreich, an der Überdeckung und am Abstand zu anderen Leitungen. Ob eine Vergrößerung überhaupt sinnvoll ist, ergibt sich aus der Entwässerungsplanung und nicht aus dem Wunsch nach mehr Reserve.
Wie viel wird beim Berstlining aufgegraben?
Aufgegraben werden Start- und Zielgrube sowie jede Stelle, an der ein Anschluss in die alte Leitung mündet. Anschlüsse lassen sich bei diesem Verfahren nicht von innen wieder öffnen — sie werden freigelegt, getrennt und an die neue Leitung angebunden. Die Zahl der Anschlüsse bestimmt deshalb den Erdarbeitsanteil mit.