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Kanalschäden in Deutschland: Zustand privater Leitungen
Über den Zustand der öffentlichen Kanalisation in Deutschland gibt es Erhebungen; über den Zustand privater Grundstücksentwässerungen gibt es sie in dieser Form nicht. Der Grund ist methodisch: Öffentliche Netze werden von ihren Betreibern systematisch befahren und in Kanalkatastern geführt, private Leitungen werden anlassbezogen untersucht — und zwar dann, wenn bereits etwas nicht stimmt.
Daraus folgt eine Verzerrung, die jede Zahl über private Leitungen betrifft: Wer nur untersuchte Leitungen zählt, zählt eine Auswahl, in der schadhafte Leitungen überrepräsentiert sind. Diese Seite ordnet die vorhandenen Datenquellen, sagt zu jeder, was sie erfasst und was nicht, und nennt die Angaben, ohne die eine zitierte Zahl nicht nachprüfbar ist.
- Sanierungsbedarf
- Die aus einer Zustandserfassung abgeleitete Feststellung, dass ein Leitungsabschnitt instand gesetzt, renoviert oder erneuert werden muss. Sie folgt aus der Bewertung der aufgenommenen Schäden nach Art, Ausmaß und Lage — nicht aus dem Alter der Leitung.
- Zwei Zahlen sind dabei leicht zu verwechseln: der Anteil der Abschnitte, an denen überhaupt ein Schaden aufgenommen wurde, und der Anteil derer, für die daraus ein kurzfristiger Handlungsbedarf abgeleitet wurde. Die erste Zahl ist immer die größere. Wer eine Quote zitiert, sollte deshalb sagen, welche der beiden gemeint ist.
Datenquellen und was sie erfassen
Die Spalte in der Mitte ist die wichtigste: Keine dieser Quellen erfasst private Grundstücksleitungen flächendeckend. Wer eine Zahl daraus auf private Leitungen überträgt, wechselt die Grundgesamtheit.
| Quelle | Was sie erfasst | Was sie nicht erfasst | Wofür sie taugt |
|---|---|---|---|
| Zustandsumfragen der DWA zur Kanalisation | Öffentliche Kanalnetze der teilnehmenden Betreiber | Private Grundstücksentwässerungen; Netze nicht teilnehmender Betreiber | Größenordnung des Sanierungsbedarfs im öffentlichen Netz |
| Erhebung des Statistischen Bundesamts zur öffentlichen Abwasserentsorgung | Kanallängen, Anschlussgrade, Anlagen der öffentlichen Entsorgung | Zustandsbewertungen einzelner Haltungen | Struktur und Umfang der öffentlichen Entwässerung |
| Kommunale Kanalkataster | Zustand des öffentlichen Netzes einer Kommune, haltungsweise | Leitungen auf privaten Grundstücken | Lokale Aussagen, soweit die Kommune sie veröffentlicht |
| Auswertungen zu durchgeführten Dichtheitsprüfungen | Ergebnisse geprüfter privater Leitungen im Geltungsbereich der jeweiligen Vorschrift | Grundstücke ohne Prüfpflicht und solche, die noch nicht geprüft wurden | Der einzige systematische Zugang zu privaten Leitungen — für den geprüften Ausschnitt |
| Befunde einzelner Sanierungsbetriebe | Die von diesem Betrieb befahrenen Leitungen | Alles, was niemand befahren hat | Beispiele, keine Grundgesamtheit |
Zu jeder dieser Quellen gehört beim Zitieren das Erhebungsjahr. Erhebungen werden wiederholt, und eine Zahl ohne Jahr lässt sich weder einordnen noch nachschlagen.
Warum die Auswahl das Ergebnis bestimmt
Eine private Grundleitung wird untersucht, wenn es einen Anlass gibt: eine Verstopfung, die wiederkommt, Geruch, eine Setzung im Pflaster, ein Schreiben der Kommune. Wer diese Untersuchungen auszählt, misst deshalb nicht den Zustand aller Leitungen, sondern den Zustand derjenigen, bei denen jemand schon einen Verdacht hatte.
Der Unterschied ist keine Kleinigkeit. In einem Gebiet, in dem flächendeckend geprüft wurde — etwa weil eine Schutzgebietsverordnung es verlangte —, kommt eine andere Quote heraus als in einer Auswertung anlassbezogener Befahrungen. Beide Zahlen können richtig sein und trotzdem nichts miteinander zu tun haben.
Deshalb ist die erste Frage an jede Zahl nicht, wie hoch sie ist, sondern wer in die Erhebung geraten ist und wer nicht. Wo das nicht beantwortet wird, ist die Zahl eine Zahl und keine Aussage.
Fünf Angaben, ohne die eine Zahl nicht zitierfähig ist
Sie gelten für jede Quelle in der Tabelle oben — und für jede Zahl, die Ihnen jemand vorlegt.
- Erhebende Stelle: wer die Daten erhoben und wer sie ausgewertet hat.
- Erhebungsgebiet: bundesweit, Land, Kommune oder ein einzelnes Netz.
- Erhebungsjahr, nicht das Jahr der Veröffentlichung.
- Grundgesamtheit und Stichprobengröße: wie viele Abschnitte oder Kilometer, ausgewählt nach welchem Kriterium.
- Definition des gemessenen Merkmals: irgendein aufgenommener Schaden oder abgeleiteter Handlungsbedarf.
Was der Zustand des öffentlichen Netzes über private Leitungen nicht sagt
Öffentliche Sammler und private Grundleitungen unterscheiden sich in den Größen, die den Zustand bestimmen: Nennweite, Verlegetiefe, Material, Belastung und Wartung. Ein öffentlicher Sammler steht in einem Kataster, wird nach Programm befahren und nach Dringlichkeit saniert. Eine private Grundleitung unter einer Bodenplatte hat womöglich nie jemand gesehen.
Auch die Schadensbilder liegen anders. Wurzeleinwuchs an einer Muffe, ein Versatz durch Bodenbewegung, eine falsch angeschlossene Abzweigung — das sind Befunde kleiner Nennweiten in Hausnähe. Sie tauchen in einer Umfrage über öffentliche Kanalnetze nicht auf, weil sie dort nicht vorkommen.
Was sich übertragen lässt, ist die Systematik: dieselben Regelwerke zur Zustandserfassung, dieselbe Logik der Bewertung, dieselbe Reihenfolge von Reinigung, Befahrung, Bewertung und Verfahrenswahl. Die Quoten lassen sich nicht übertragen.
Häufige Fragen
Wie viele private Abwasserleitungen in Deutschland sind schadhaft?
Eine belastbare bundesweite Zahl für private Abwasserleitungen liegt nicht vor, weil private Grundstücksentwässerungen nicht flächendeckend erfasst werden. Untersucht wird anlassbezogen oder dort, wo eine Vorschrift eine Prüfung verlangt. Jede kursierende Quote bezieht sich deshalb auf einen Ausschnitt und sollte mit Gebiet, Jahr und Stichprobengröße zitiert werden.
Woher stammen die Zahlen zum Sanierungsbedarf der Kanalisation?
Angaben zum Sanierungsbedarf der Kanalisation stammen aus Umfragen unter den Betreibern öffentlicher Kanalnetze und beziehen sich auf deren Netze. Private Grundstücksleitungen sind darin nicht enthalten. Wer eine solche Zahl auf private Leitungen überträgt, wechselt unausgesprochen die Grundgesamtheit.
Kann ich vom Alter meiner Leitung auf ihren Zustand schließen?
Das Alter einer Leitung sagt für sich genommen nichts über ihren Zustand. Material, Verlegequalität, Bodenbewegung, Bewuchs über der Leitung und die Belastung entscheiden mit; eine sorgfältig verlegte Steinzeugleitung kann in besserem Zustand sein als eine jüngere aus anderem Material. Aussagekräftig ist nur eine Befahrung.
Wo finde ich Daten für meine Stadt?
Auskunft über das örtliche Kanalnetz gibt sein Betreiber — Stadtentwässerung, Abwasserbetrieb oder Zweckverband. Viele Betreiber veröffentlichen Kennzahlen zu Netzlänge, Zustand und Sanierungsprogramm in ihren Geschäfts- oder Umweltberichten. Für private Leitungen im Stadtgebiet gibt es solche Daten nur dort, wo eine Prüfpflicht ausgewertet wurde.