Vom Befund bis zur Abnahme
Ablauf einer Kanalsanierung: von der Befahrung bis zur Abnahme
Eine Kanalsanierung läuft in acht Schritten ab: Zugang klären, reinigen, befahren, Befund auswerten, Verfahren wählen, Angebot und Terminabstimmung, Ausführung, Abschlussbefahrung mit Dokumentation. Jeder Schritt erzeugt ein Ergebnis, das der nächste braucht.
Wie lange das Ganze dauert, entscheidet nicht die Sanierung selbst, sondern das, was vor ihr liegt: der Zugang, die Auswertung des Befunds und — bei Arbeiten zum öffentlichen Kanal hin — die Abstimmung mit der Kommune.
Die acht Schritte
Von oben nach unten. Wer einen Schritt überspringt, holt ihn später teurer nach.
1. Zugang klären
Wo lässt sich die Leitung öffnen? Revisionsschacht im Freien, Reinigungsöffnung im Keller, Rohrbelüfter auf dem Dach. Ist nichts vorhanden, wird ein Zugang hergestellt — das ist ein eigener Auftragsteil mit eigenem Preis.
2. Reinigen
Hochdruckspülung von der Zugangsstelle aus. Ablagerungen, Fett und Wurzelbewuchs kommen heraus, das Spülgut wird aufgenommen. Ohne diesen Schritt zeigt die Kamera die Ablagerung und nicht die Rohrwand.
3. Befahren
Ein Kamerafahrwagen oder eine Schiebekamera nimmt die Leitung auf. Aufgezeichnet werden Bild, Meterangabe und Lage; daraus entsteht später die Skizze, auf der jede Schadstelle wiederzufinden ist.
4. Befund auswerten
Die Aufzeichnung wird durchgesehen, jede Auffälligkeit benannt, verortet und eingeordnet: Riss, Muffenversatz, Wurzel, Ablagerung, Verformung, Wassersack, einragendes Anschlussstück. Das Ergebnis ist ein schriftlicher Befundbericht.
5. Verfahren wählen
Aus dem Befund ergibt sich, welche Verfahren technisch infrage kommen. Wo mehrere möglich sind, gehört die Begründung der Empfehlung dazu — und die Angabe, was das jeweils andere Verfahren gekostet hätte.
6. Angebot, Abstimmung, Termin
Jetzt entsteht ein Angebot, das auf dem Befund steht. Betrifft die Maßnahme den Anschluss an das öffentliche Netz oder öffentlichen Verkehrsraum, kommt die Abstimmung mit Kommune und Netzbetreiber dazu — das ist der Schritt, der den Terminplan bestimmen kann.
7. Ausführen
Die eigentliche Sanierung. Bei grabenlosen Verfahren bleibt die Baustelle klein und liegt an den Zugangsstellen; bei offener Bauweise entstehen Graben, Lagerfläche für Aushub und eine gesperrte Fläche.
8. Abschlussbefahrung und Übergabe
Nach der Sanierung wird erneut befahren und aufgezeichnet. Vereinbart werden kann zusätzlich eine Prüfung auf Dichtheit. Übergeben werden Aufzeichnung, Bericht und, wenn geprüft wurde, das Protokoll.
Was nach jedem Schritt vorliegt
Der Ablauf lässt sich daran prüfen, ob nach jedem Schritt etwas Schriftliches existiert. Fehlt das Ergebnis, ist der Schritt nicht abgeschlossen.
| Schritt | Ergebnis | Woran Sie es erkennen |
|---|---|---|
| Reinigung | Freie, spülbare Leitung | Vermerk im Bericht, welcher Abschnitt gereinigt wurde und was entfernt wurde |
| Befahrung | Videoaufzeichnung mit Meterangabe | Die Datei wird übergeben, nicht nur beschrieben |
| Auswertung | Befundbericht mit Lageskizze | Jede Schadstelle hat eine Meterangabe und eine Benennung |
| Verfahrenswahl | Begründete Empfehlung | Es steht dabei, warum das andere Verfahren ausscheidet |
| Ausführung | Sanierter Abschnitt | Aufmaß: welche Meter tatsächlich saniert wurden |
| Abschluss | Abschlussaufzeichnung, auf Wunsch Prüfprotokoll | Die Aufnahme nach der Sanierung zeigt denselben Abschnitt wie die vorher |
Was den Zeitplan bestimmt
Die Sanierung selbst ist der kurze Teil. Was den Zeitplan streckt, sind vier andere Dinge: das Herstellen eines Zugangs, wenn keiner vorhanden ist; die Beschaffung von Material, das auf Durchmesser und Länge zugeschnitten wird; die Abstimmung mit Kommune und Netzbetreiber, wenn öffentlicher Raum berührt ist; und die Witterung, sobald ein Graben offen steht.
Dazu kommt ein fünfter Punkt, der nichts mit Technik zu tun hat: die Entscheidung. Zwischen Befund und Beauftragung liegt der Vergleich der Angebote, bei Eigentümergemeinschaften ein Beschluss, bei vermieteten Objekten die Abstimmung mit den Bewohnern. Diese Zeit gehört in den Plan, sonst wirkt sie später wie eine Verzögerung des Betriebs.
Konkrete Tagesangaben nennt Ihnen der Betrieb nach der Befahrung, weil er dann weiß, was zu tun ist. Ein Zeitplan vor der Befahrung beschreibt eine Annahme.
Was Sie vorher zusammensuchen können
Nichts davon ist Pflicht. Alles davon verkürzt den ersten Termin:
- Den Entwässerungsplan oder die Bauunterlagen, falls vorhanden — dort steht, wo die Leitungen liegen.
- Rechnungen früherer Reinigungen oder Reparaturen, mit Datum und beschriebener Stelle.
- Einen vorhandenen Befundbericht samt Aufzeichnung, auch wenn er älter ist.
- Fotos der Stellen, an denen etwas auffällt: Setzung im Belag, Feuchte, Geruchsquelle.
- Das Schreiben der Kommune, wenn eines der Anlass ist — mit Fristangabe und Aktenzeichen.
- Die Frage, wer zugangsberechtigt ist: bei Mehrfamilienhäusern und Eigentumswohnungen die Verwaltung.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Kanalsanierung?
Die Dauer einer Kanalsanierung bestimmen vier Größen: ob ein Zugang erst hergestellt werden muss, ob Material auf Maß beschafft wird, ob öffentlicher Raum berührt ist und wie lange die Entscheidung über das Angebot dauert. Die Ausführung selbst nimmt bei grabenlosen Verfahren den kleineren Teil des Zeitraums ein. Einen belastbaren Zeitraum nennt der Betrieb nach der Befahrung.
Muss ich während der Sanierung ausziehen?
Bei grabenlosen Verfahren bleibt die Baustelle an den Zugangsstellen, und die Leitung ist zeitweise nicht nutzbar — für diesen Zeitraum wird das Abwasser nicht abgeführt. Wie lange das ist und ob eine Zwischenlösung nötig wird, gehört vor die Beauftragung. Bei offener Bauweise kommt die Frage der Zufahrt und der gesperrten Flächen dazu.
Kann ich die Leitung während der Sanierung benutzen?
Während der Ausführung ist der sanierte Abschnitt gesperrt: Beim Aushärten eines Liners darf kein Abwasser durchlaufen. Der Betrieb sagt Ihnen vorher, für welchen Zeitraum das gilt und ob eine Umleitung eingerichtet wird. Bei Mehrfamilienhäusern gehört diese Information rechtzeitig an alle Bewohner.
Was passiert, wenn bei der Sanierung etwas Unvorhergesehenes auftaucht?
Auch nach einer Befahrung können sich beim Öffnen Abweichungen zeigen — eine zweite Leitung, ein anderer Rohrwerkstoff, ein Anschluss, der im Plan fehlt. Für diesen Fall gehört in das Angebot, wie mit Nachträgen umgegangen wird: Wer entscheidet, in welcher Form die Abweichung dokumentiert wird und ob vor der Fortsetzung Rücksprache gehalten wird.